Schwimmen: Zwischen Becken und Hörsaal – Der DSV hat Norm für Großereignisse gelockert.

Geislinger Zeitung – Thomas Friedrich – 31.01.2018
Der Amstetter Student Maximilian Oswald plant mit EM-Teilnahme im Sommer.
Um sich um die exakten Normen zu kümmern und die Wege, wie man sie erfüllt, dafür hat Maximilian Oswald derzeit keinen Kopf. Der Mechatronik-Student steckt mitten im Prüfungsstress. Was er bislang über die Normänderungen des Deutschen Schwimmverbands (DSV) mitbekommen hat, stimmt ihn zuversichtlich. Das Ticket für die Europameisterschaft im August in Glasgow glaubt er sicher, „falls nicht alles schief geht“.
Weil der DSV die Richtzeiten für die Staffel abgeschwächt hat, segelt der 24-Jährige voll auf EM-Kurs. Bei den Freistil-Sprintern sieht er sich in Deutschland „an Position zwei oder drei“. Bei Olympia in Rio hatte der Verband noch auf die Entsendung einer Freistil-Staffel verzichtet.

Freistil-Sprinter Maximilian Oswald krault Richtung Europameisterschaft in Glasgow. Foto: Imago

Bis zum vergangenen Jahr war die deutsche Meisterschaft wenige Wochen vor dem internationalen Saisonhöhepunkt der alles entscheidende Qualifikationswettbewerb. Wer da nicht in Form war, hat eben Pech gehabt. Künftig haben die Schwimmer vom 22. Januar bis zum 29. April Gelegenheit, die geforderten Zeiten zu schwimmen. Von drei Versuchen muss einer sitzen. Jeder Athlet meldet dem Verband drei Wettkämpfe, in denen er die Norm zu schwimmen gedenkt. Der prüfungsgestresste Oswald hat das seinem Trainer überlassen und kann nur zwei von drei Wettkämpfen nennen, an denen er teilnehmen soll. Einer davon ist Anfang April in Eindhoven, der letzte Mitte April beim German Masters in Berlin. Da hat der für die Wasserfreunde Spandau schwimmende Amstetter in jeder Hinsicht Heimvorteil: eine kurze Anfahrt und zudem „das schnelle Becken“ in der Berliner SSE.

Heute schreibt Oswald seine letzte Prüfung, ab morgen sind Semesterferien. Dann will er sich „voll aufs Schwimmen fokussieren“. Und mal seinen Trainer anrufen, um nach den neuen Normzeiten im Einzel sowie seinem dritten Quali-Wettkampf zu fragen. Liegen die geforderten Zeiten über 50 Meter Freistil im Bereich des Vorjahrs, rechnet sich Oswald gute Chancen aus und will „einiges investieren“, um das Ticket für Glasgow zu lösen.
Die Semesterferien gehören nicht komplett dem Sport, es steht auch ein Praktikum beim Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrum an. Dem Amstetter, das weiß er schon im Januar, steht ein „stressiges Jahr“ 2018 bevor. Das ist er mittlerweile gewohnt. Die Mixtur aus Training, Studium und Arbeit macht ihm Spaß, und solange das so bleibt, stürzt er sich „gerne in 70-Stunden-Wochen.“ Die Zeitangabe bezieht sich nur auf die Werktage. Training und Wettkämpfe am Wochenende sind in der Rechnung nicht enthalten. Mit denen können es schon mal 80 Stunden und mehr werden. Wenigstens entfällt in den kommenden drei Monaten bis zum Beginn des Sommersemesters der Prüfungsstress.
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