Eisenbieger besichtigten Urzelle der Stadt

Jörg Schneider – 05.12.2018

Das „Outfit“ des ALTEN ZOLL als markantem Gebäude – einem Zeugnis mittelalterlicher Holzbaukunst – ist ja bekannt, seit es um 1495 an Stelle eines früheren von den Grafen von Helfenstein errichteten Zollgebäudes erbaut wurde. Aber wie sieht die Baustelle jetzt innen aus, seit es die Stadt 2008 von privat erworben hat und es jetzt zu einem Bürgerhaus umbaut? Diese Frage interessierte die TG-Sportgruppe und hatte in Frau Astrid Köpf, Fachbereichsleiterin Bauverwaltung der Stadt Geislingen, eine kompetente Führerin bei der Besichtigung. Dies ermöglichte einen Einblick in eine Welt, die Vergangenheit und Gegenwart eng miteinander verbindet. Wie Frau Köpf erwähnte, wurde zuerst eine sog. digitale Bauaufnahme durchgeführt. Auf deren Grundlage konnte unter anderem eine detaillierte Schadensanalyse des Gebäudes erfolgen. Bei der Sanierung eines denkmalgeschützten Gebäudes kommt es immer wieder zu unerwarteten Entdeckungen. So auch beim Alten Zoll: nach dem behutsamen Entfernen von verschiedensten Schichten und Materialien, welche im Laufe der Jahrhunderte eingebaut oder aufgetragen wurden, entdeckten die Restauratoren eine 13 Meter lange, komplett aus Tannenholz bestehende Bohlenwand, die wohl ursprünglich im Jahr 1511 als Trennwand im Erdgeschoss eingebaut wurde. Das Besondere daran ist der gute Zustand und die Länge, mit einer Vielzahl von noch erkennbaren Farbschichten auf dem Holz. Um diesen Fund der Öffentlichkeit dauerhaft zugänglich zu machen, ist es angedacht, diese beidseitig mit vorgehängten Glaselementen zu sichern.

Im Rahmen des Rückbaus kamen schädliche Eingriffe in der tragenden Konstruktion zum Vorschein, durch welche die Statik des Gebäudes teilweise erheblich beeinträchtigt wurde. Hier musste sofort z.B. mittels Notabsprießungen reagiert werden. Zudem traten massive Probleme im Bereich der Gründung zu Tage. Diese machten erkundende Bohrungsarbeiten, um Aufschluss über die Bodenverhältnisse zu bekommen, notwendig. Die umfangreichen Sanierungsaufgaben sind bei diesem Kulturdenkmal von besonderer Bedeutung untrennbar mit der denkmalpflegerischen Begleitung verknüpft, fließen doch auch erhebliche Fördermittel aus Töpfen verschiedener Denkmalstiftungen. Hierbei lässt sich wiederum die Besonderheit und der Stellenwert dieses Gebäudes in denkmalpflegerischen Kreisen ablesen. Beim Rundgang durch die einzelnen Stockwerke erläuterte Frau Köpf die jeweils notwendigen Restaurierungsarbeiten.

Das 1. OG erfuhr im 19. und 20.Jahrhundert bauliche Veränderungen, was sich teilweise an noch vorhandenen Wänden/Verkleidungen und Türen ablesen lässt. Diese zeitliche Epoche wird aus baulicher Sicht so erhalten.

Die spätere barrierefreie Nutzung ist mit einem Aufzug bis zum 2. OG möglich, während drei Stockwerke und das Dachgeschoss ungenutzt bleiben. Das vorhandene Treppenhaus im Bereich des Zollstocks sei noch im Originalzustand und konnte größtenteils – unter Einbeziehen der Belange des Brandschutzes – noch verwendet werden.

Ein neues Dach wird wohl in Betracht kommen müssen. Auf die Frage, ob das Gesamtprojekt mit dem bisher veranschlagten Kostenrahmen von 6,1 Millionen Euro finanziert werden kann, erwiderte Frau Köpf: „Wir hoffen es!“

Am Ende der guten Führung waren sich die Eisenbieger einig, einem etwa 523 Jahre alten Zeitzeugen mit den Spuren von Kunst und Historie ins Herz geschaut zu haben.

Da die voraussichtliche Fertigstellung im Jahre 2021 erfolgen soll, bemerkte einer aus er Sportgruppe: „Dann haben wir unser Geislingen 21“

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