Vereinshistorie der TG Geislingen

Gründung
Am 20. Juni 1846 wird im Gasthaus Schützen eine Versammlung abgehalten, und es wird zur Wahl der zur Leitung der Geschäfte des Vereins nötigen Vorstände und eines Ausschußes geschritten und hierbei gewählt: Zum Turnwart Adam Keppel, zum Verwalter (Kassier) Wilhelm Haug, zu Ausschußmitgliedern Pfarrverweser O. Mülot von Eybach, G. Schurr, J.G. Kemmel und J. Bausch. Zehn weitere Mitglieder werden als Gründer der Turngemeinde verzeichnet.
Am Montag, den 22. Juni 1846 begannen die Übungen auf dem Turnplatz und die Turngemeinde Geislingen war hiermit in´s Leben getreten. So lapidar lautet der Eintrag im 1. Band der allesamt erhaltenen Tagebücher der Turngemeinde Geislingen.
Die erste Satzung wurde am 15. Juli 1846 unterzeichnet. Ihr Inhalt wurde in der Festschrift zum 50jährigen Bestehen der TG folgendermaßen zusammengefasst: Verlangt werden von den Mitgliedern vor allem Unbescholtenheit und Reinheit der Sitten, sodann als Zweck und Ziel der Turner die Kräftigung und Stählung des Körpers, die Hebung der geistigen Anlagen, Weckung des Brudersinnes und die Einigung und Freiheit des deutschen Volkes zu erstreben.
In den Jahren nach der Gründung hat es in der Vorstandschaft häufigen Wechsel gegeben. Gründe dafür waren nicht nur gewisse „vordemokratische“ Gepflogenheiten, wie jährliche Neuwahlen, sondern auch die Tatsache, dass die meist recht jungen Turner alsbald zur weiteren beruflichen Fortbildung die Stadt wieder verließen. Aber es gab auch Streitigkeiten, kleinere, größere und ganz große, die bis zur Auflösung der Turngemeinde und deren Neugründung führten. So erfolgt am 5. Januar 1850 die Neugründung der Turngemeinde mit neuen Statuten und 15 Mitgliedern

Die Entwicklung in den ersten Jahren
Bereits 1862 wird die Mitgliederzahl 100 überschritten, 1929 dann die 1000er-Grenze. Geübt wird regelmäßig. Anfangs am Montag, Samstagabend und am Sonntag in der Steingrube. Im Winter wird, sofern es die Witterung erlaubt, im Freien an Sonntagnachmittagen weitergeturnt. Anschließend begibt man sich ins Vereinslokal, bis Mai 1847 das Rötelbad, dann die Glocke. Dort gab es Vorlesungen, Vorträge und dgl. Jeden Donnerstagabend ist Gesangsunterricht bei Lehrer Haug.

Das erste Turnfest in Geislingen findet am 25. Juli 1847 statt. Etwa 50 auswärtige Turner aus Ulm, Göppingen, Heidenheim, Schwäbisch Gmünd und Stuttgart nehmen teil. Am Pfingstmontag, den 28. Mai 1855, findet auf dem Turnplatz die feierliche Weihe der durch die Geißlinger Jungfrauen unserem Verein gestifteten Fahne statt.

Aus der TG gehen Feuerwehr und Sanitätskolonne hervor
Die TG-Mitglieder fühlten sich jedoch nicht nur der Turnerei, sondern auch dem Gemeinwohl verpflichtet. So ist es auch zu erklären, dass bereits 1847 TG-Turner als Motor für die Gründung der Feuerwehr hervor traten. Die Verpflichtung der Mitglieder lautete: bei vorkommenden Feuersbrünsten zu Dämpfung derselben und zu Rettung desjenigen, was noch zu retten ist, nach Kräften mitzuwirken.

Im Juni 1870 wirft der deutsch-französische Krieg seine ersten Schatten. Alles ist in größter Aufregung und wartet mit Spannung, was die Zukunft bringen wird. 14 TG-Mitglieder werden zum Militär einberufen. Der Ausschuss des Schwäbischen Turnerbundes fordert dazu auf, in Geislingen ein Sanitätskorps zu gründen. Sofort stellen sich die Turner, aber von Stuttgart kommt die Antwort, dass sie nicht benötigt werden, da schon so viele Freiwillige zum Sanitätsdienst im Felde angemeldet seien. Schließlich dauert es bis ins Jahre 1888, dass die schon mehrmals besprochene Gründung einer Sanitätskolonne offiziell vollzogen werden kann. Spontan haben sich 41 Männer aus den Reihen der Turner bereit erklärt, beizutreten

Sportstätten der Turngemeinde
Die erfolgreiche Entwicklung der Turngemeinde ist eng mit den Sportstätten verbunden. Wurde noch anfangs in der Steingrube, dem heutigen Stadtpark, geübt, wird am 9. Mai 1859 der Beschluss gefasst, zum Bau einer Turnhalle einen Grundstock anzulegen. Am 4. September 1864 erfolgt die feierliche Einweihung. Damit verfügten die Turner im Bereich der heutigen B 10-Kurve beim Amtsgericht über den lange ersehnten Winterturnplatz.

TG-Schwimmbad
Als am 5. März 1910 etwa 20 schwimmbegeisterte Turner eine Schwimmabteilung gründeten, wurden die Übungsstunden in der 12 m langen Badewanne des Rötelbades am Fuße des Rorgensteiges abgehalten. Bereits am 23. Juli 1911 findet dort das erste Schwimmfest unter Mitwirkung auswärtiger Vereine statt. Als dieses Schwimmbad ein Opfer der Inflation wird, greift die Abteilung im Rohrachtal zur Selbsthilfe. Ohne Bagger und andere maschinelle Hilfsmittel werden im sog. Weiher am weißen Weg über 1100 m³ Erde und Schlamm von Hand ausgehoben und mit Schubkarren weggefahren. In der Geiselsteinschlucht werden Natursteine gebrochen, um das Becken einzufassen. Am 10. August 1924 ist dann für die TG und ihre Schwimmer der große Festtag gekommen – mit der Einweihung hat die TG die erste sportgerechte 50-m-Bahn Süddeutschlands aufzuweisen.


TG-Spielplatz auf dem Geiselstein

Nach dem Ende des 1. Weltkrieges (1914 – 1918) wird bei den vom Feld heimkehrenden Turnbrüdern der Wunsch nach einem Spielplatz immer lauter. Beim Geiselstein erwirbt man zu diesem Zweck im Jahre 1921 Gelände. Mühsam ist der Weg für die Mitglieder, um das gesteckte Ziel zu erreichen. Es sind vor allem Schwierigkeiten technischer Art, da der gewachsene Fels bei der Anlegung des Platzes große Probleme bereitet. Aber auch die Beschaffung der Geldmittel ist nicht einfach. So ist es eine große Hilfe, dass die WMF Arbeitsgeräte, wie Pickel, Schaufeln, Gleise und Kipploren zur Verfügung stellt. Als die Kräfte erlahmen, immerhin wird beinahe zeitgleich im Rohrachtal das TG-Schwimmbad gebaut, ist man froh, als sich im Frühjahr 1923 der Führer der in Geislingen vorübergehend stationierten Einheit der Ordnungspolizei, Leutnant Schneider, und später dessen Nachfolger, Hauptmann Kicherer, der Sache annehmen. Nach Verlegung der Polizeiabteilung steht ein kleines Häuflein Getreuer immer noch vor einem riesigen Berg Arbeit. Dies führt dazu, dass im Frühjahr 1925 beschlossen wird, die Arbeiten zu vergeben. Von privater Seite erfolgt die Finanzierung. So kann bereits am 14. Juni 1925 der Spielplatz unter reger Beteiligung der Bevölkerung eingeweiht werden.

Geiselsteinhaus
Für eine vollwertige Einrichtung fehlt jedoch noch ein Unterkunftshaus. So wird am 11. März 1928 vom TG-Turnrat beschlossen, ein Holzhaus, 12 m x 7 m, zu erstellen. Das Gebäude kann bereits am 10. Juni 1928 eingeweiht werden.
Es hat bis Anfang der Sechziger Jahre treue Dienste geleistet. 1964 wurde beschlossen, das alt und morsch gewordene Geiselsteinhaus durch ein neues zu ersetzen. Es dauert dann allerdings drei Jahre, ehe das neue, vergrößerte Geiselsteinhaus im Jahre 1967 eingeweiht werden kann.
Groß ist die Trauer der Geiselsteingemeinde, als dieses behagliche Heim in der Nacht zum 30. März 1984 durch einen unbekannt gebliebenen Brandstifter ein Raub der Flammen wird. Der Wiederaufbau gelingt mit Spenden zahlreicher Mitglieder und Freunde bis zum Oktober 1985 nach Planung des Ehrenmitgliedes Karl Drexler und unter der Bauleitung des langjährigen Hüttenwartes Werner Semmler.

TG-Stadion im Eybacher Tal
Über viele Jahrzehnte hinweg hat die TG nur den vereinseigenen Spielplatz auf dem Geiselstein und den Stadtpark als Übungsplatz im Freien zur Verfügung. Bis zum Jahre 1943 wird für Handballspiele sowie für technische Disziplinen in der Leichtathletik der Städtische Sportplatz benutzt. Nach langer Suche und Prüfung verschiedener Standort-Alternativen wird das Angebot der Stadtverwaltung, im Eybacher Tal einen Sportplatz mit Aschenbahn errichten zu können, angenommen.

Sportplatzbau im Eybacher Tal

In der 1952 herausgegebenen Denkschrift über den Ausbau einer Aschenbahn im Eybacher Tal liest sich ein Satz, als wenn er erst heute geschrieben worden wäre: Die derzeitige Finanzlage der Stadt dürfte ein solch großes und dringend erwünschtes Vorhaben wohl für eine lange Reihe von Jahren nicht erlauben. Was bleibt der TG also anderes übrig, als erneut unter Einsatz großer persönlicher, sachlicher und finanzieller Opfer den raschmöglichsten Ausbau zu ermöglichen?
Ferdinand Specker übernimmt den Vorsitz des Bauausschusses und bekommt vom Turnrat alle Vollmachten. Zuerst müssen große Erdbewegungen vorgenommen werden. Durch den Einsatz einer amerikanischen Planierraupe, kann einiges an Geld gespart werden. Der Verein wird mobil gemacht und die Jugendlichen und Mitglieder werden zu einem freiwilligen Arbeitsdienst aufgerufen. Das Echo ist erfreulich gut, an den Wochenenden sind oft bis zu 40 TeilnehmerInnen vor Ort, um in seltener Treue von Jung und Alt, Männern und Frauen, an dem Platz zu arbeiten. An der Spitze dieser Ehrenamtlichen machen sich besonders Hans Wallisser, Kurt Nagel, Karl Wörn, Albert Kälin und Mathilde Lächler verdient.

 

Ein Jahr nach der Platzweihe wird auf den Fundamenten einer nie zustande gekommenen Kläranlage mit dem Bau der Tribüne begonnen. Noch heute bieten 12 Sitzreihen Platz für ca. 500 Besucher. Unterhalb der Tribüne werden bereits seinerzeit neben den sanitären Anlagen Wirtschaftsräume eingerichtet. Am 12. Juli 1964 kann die Stadionanlage insgesamt übergeben werden. Die größte Anerkennung gilt den Idealisten, die über 15.000 ehrenamtliche Arbeitsstunden geleistet haben.
Im Jahre 1976 werden im TG-Stadion zwei Tennisplätze gebaut. Es folgt ein Kleinspielfeld mit Kunststoffbelag. Sechs Jahre später wird das Stadion grundlegend modernisiert. Die Aschenbahn weicht ebenfalls einem modernen Kunststoffbelag. 1988 erfährt diese Maßnahme eine Abrundung mit dem Umbau und der Erweiterung des Stadiongebäudes einschließlich des Einbaues eines Fitness-Raumes. Im Jahre 1993 werden die Tennisplätze renoviert, anstelle des Gummibelages gibt es einen sandverfüllten Kunststoffrasen.

Bei allen Baumaßnahmen seit 1977 stand der 1. Vorsitzende Holger Scheible als Hauptverantwortlicher immer an vorderster Front. Wenn man bedenkt, dass das Stadion der Turngemeinde bis zum heutigen Tage die einzige Rundbahn in unserer Fünftälerstadt aufzuweisen hat, sieht man, mit welchem Weitblick unsere Altvorderen zum damaligen Zeitpunkt ihre Aufgabe angegangen sind.

Peter Lecjaks

Quellennachweis: Jubiläumsfestschrift 150 Jahre TG Geislingen